Gerade am Anfang der Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen fühlen wir Fachkräfte uns hin und wieder herausgefordert. Wir werden getestet, “angepiekst”, manchmal versucht man uns auch zu verarschen (vor Publikum, versteht sich). Was hat es damit auf sich? Naja, nichts geschieht ohne Grund im Zwischenmenschlichen.

Interaktionsstrategien

Der bemerkenswerte Psychotherapeut Rainer Sachse, der die Klärungsorientierte Psychotherapie begründet hat, stellte in seiner alltäglichen Arbeit mit Klient*innen verschiedene Interaktionsstrategien fest, die viel über die Sender*innen aussagten.

I.d.R. geht es immer um die Kommunikation von Bedürfnissen. Im Falle von Psychospielen wird halt “durch die Blume” etwas vehementer kommuniziert.

Psychospiele können nerven

Herausfordernde Kinder und Jugendliche kommunizieren z.B. ihr Bedürfnis nach Aufmerksamkeit nicht immer so, dass es für uns Fachkräfte klar ersichtlich bzw. angenehm wäre. Das liegt aber meistens daran, dass die Strategien im infantilen Kontext einmal sinnvoll waren, zum Erfolg geführt haben, heute aber schlicht und einfach nicht mehr up to date sind.

Gegenstrategien

Heißt: Decken Sie in einem brisanten Fall empathisch-konfrontativ den Sinn und Zweck dieser oder jenen Strategie (“Ey, Alter, ich hab neues Tattoo! Du hast gar nix, Verlierer!”) auf: “Ja, sieht gut aus! Mit deinem Spruch wertest du mich aber ab, das finde ich nicht wertschätzend! Ich lass das jetzt mal so stehen, mein Guter!”

Fazit

Wir alle brauchen Bindung zu anderen, Anerkennung, Wertschätzung. Es geht immer um Gefühle und Bedürfnisse. Seien Sie nachsichtig. Wir Fachkräfte sind oft nur Projektionsflächen, d.h. Mittel zum Zweck. Manchmal sind Psychospiele auch nur Beziehungsangebote, die für uns nur einen negativen Touch haben – für die andere Seite aber nicht. Man weiß es oft nicht.

PS: Das kann man unter vier Augen mit der oder dem Betreffenden durchaus auch mal zur Sprache bringen und zielorientiert bearbeiten.

Veröffentlichungen

Empathen, Einzelgänger, Schauspieler und Perfektionisten im Klassenraum: Ein schemapädagogischer Praxisratgeber für Lehrkräfte

Guter Unterricht braucht Beziehungen:

Schemapädagogik – ein Ansatz zum Umgang mit verhaltensauffälligen Schülern

“Ich beende den Unterricht, nicht die Klingel!”: 12 Lehrertypen – und wie man sich und anderen Lehrkräften auf die Schliche kommt

„Gar nichts muss ich!“: Mit narzisstischen Schülern kompetent umgehen 

Achterbahnfahrten im Klassenraum: Konstruktive Zugänge finden zu Schülerinnen und Schülern mit Borderline-Persönlichkeit

Beziehungsgestaltung und Ressourcenförderung im Jugendheim Lory: Ratgeber Schemapädagogik in der stationären Jugendhilfe